Controlling für Agenturen: Dein 6-Schritte-Blueprint

Agenturen sind kreativ, schnell und kundenorientiert. Und genau das macht Controlling oft so schwierig.

Viele Agenturinhaber:innen spüren:

  • Die Projekte laufen – aber die Marge fühlt sich zufällig an.
  • Das Team ist engagiert – aber die Personalkosten drücken.
  • Der Umsatz wächst – aber am Monatsende bleibt wenig hängen.

Ein Controlling müsste her. Doch der Einstieg fehlt. Zu viele Zahlen. Zu viel Theorie. Zu wenig Alltag.

Dieser Blueprint ist genau dafür gemacht: für projektgetriebene Agenturen, die führen wollen – nicht nur reagieren.

Warum Controlling in Agenturen besonders oft blockiert

Agenturen scheitern nicht an fehlender Intelligenz. Sie scheitern an Struktur.

Typische Muster:

  • Projektgeschäft mit schwankender Auslastung
  • Hoher Personalanteil, aber wenig Transparenz
  • Nachkalkulation findet „irgendwann“ statt – oder nie
  • Entscheidungen basieren auf Erfahrung, nicht auf Daten

Das Ergebnis: Bauchgefühl ersetzt Steuerung. Und genau hier setzt Controlling an – nicht als Kontrolle, sondern als Navigationssystem.

Der Blueprint: In 6 Schritten zu Controlling, das für Agenturen funktioniert

1. Konten sauber trennen – mentale Ruhe schaffen

Agenturen brauchen Liquiditätsklarheit. Punkt.

Starte mit mindestens drei Konten:

  • Operatives Konto: laufende Einnahmen aus Projekten & Retainern
  • Steuerrücklagen: Umsatzsteuer, Ertragsteuer – nicht antasten
  • Lebenslinie: Rücklage für 6 Monate Fixkosten (vor allem Personal)

Gerade in Agenturen ist diese Lebenslinie entscheidend. Sie schützt dich vor Schnellschüssen bei Preisen, Projekten oder Einstellungen.

2. Kosten verstehen – vor allem die, die dich festhalten

Nimm dir die letzten 24 Monate deiner Kontoauszüge.

Ordne jede Ausgabe in Kostengruppen ein und markiere fixe Kosten.

Fixe Kosten sind in Agenturen meist:

  • Personalkosten
  • Miete & Infrastruktur
  • Software, Tools, Lizenzen

Dieser Schritt zeigt dir schwarz auf weiß, welche Grundlast deine Agentur jeden Monat tragen muss – unabhängig davon, wie viele Projekte gerade laufen.

3. Buchhaltung gegenchecken – Agenturrealität abbilden

Die Buchhaltung bildet Vergangenes ab. Controlling macht es steuerbar.

Prüfe die Einzelpostenliste:

  • Landet alles Kreative in einem Topf?
  • Sind Lizenzen sauber getrennt?
  • Gibt es Sonderkosten, die Projekte verzerren?

Gerade Agenturen leiden unter Sammelkonten, die jede Aussage über Profitabilität verwässern.

4. Personalkosten sichtbar machen – der entscheidende Hebel

In Agenturen entscheidet nicht der Umsatz über Erfolg, sondern die Wertschöpfung pro Kopf.

Die zentrale Frage lautet:

Wer arbeitet wie viel an wertschöpfenden Projekten – und wer nicht?

Trenne klar:

  • operative Rollen (Projektarbeit, Umsetzung)
  • administrative Rollen (Orga, Vertrieb, Führung)

Ohne diese Trennung bleibt jede Marge eine Annahme. Mit ihr wird sie steuerbar.

5. Projekte nachkalkulieren – hier entscheidet sich alles

Agenturprofit entsteht im Projekt – oder verschwindet dort.

Vergleiche:

  • angebotene Stunden
  • tatsächlich geleistete Stunden

Und stelle die entscheidenden Fragen:

  • Wo entstehen Mehrstunden?
  • Liegt es an Briefings, Prozessen oder Kundenverhalten?
  • Welche Projekte lohnen sich wirklich?

Projektcontrolling ist kein Misstrauensbeweis. Es ist die Basis für bessere Angebote und entspannteres Arbeiten.

6. Zahlungsmentalität prüfen – Cashflow realistisch steuern

Viele Agenturen kalkulieren sauber – und scheitern trotzdem am Cashflow.

Der Grund: Zahlungsziele und tatsächlicher Geldeingang passen nicht zusammen.

Vergleiche:

  • vereinbartes Zahlungsziel
  • echten Zahlungseingang

Idealerweise nach Kundengruppen.

Cashflow ist kein Gefühl. Er ist messbar – und steuerbar.

Du musst nicht alles auf einmal umsetzen

Wenn du nur Schritt 1 und 2 umsetzt, bist du als Agentur bereits weiter als der Großteil des Marktes.

Beides ist in einer Woche machbar und legt das Fundament für saubere Projekt- und Personalkalkulation.

Controlling ist kein Kreativ-Killer

Controlling heißt nicht, Kreativität zu beschneiden.

Es heißt:

  • Preise mit gutem Gefühl festlegen
  • Teams fair einsetzen
  • Projekte bewusst auswählen

Klarheit schafft Freiheit – gerade in kreativen Organisationen.

Dein nächster sinnvoller Schritt als Agentur

Wenn du spürst, dass deine Agentur läuft, du aber keine echte Steuerung hast, dann liegt der Engpass selten im Tool – sondern im System.

In meiner Engpassanalyse schauen wir gemeinsam:

  • wo dein Agentur-Controlling heute steht
  • welcher Hebel aktuell den größten Effekt hat
  • und was dein nächster sinnvoller Schritt ist

Ohne Zahlen-Bingo. Ohne Verkaufsdruck. Mit Klarheit.